Sankt Martin im Rheinland

Die Tradition des St. Martin-Umzuges ist noch relativ neu und stammt aus dem Rheinland.

Im Jahr 1867 wurde erstmals ein organisierter Martinsumzug veranstaltet, in der ehemaligen Stadt Dülken, heute ein Stadtteil von Viersen. 1886 gab es den ersten berittenen Sankt Martin in Düsseldorf. Ab den 1920er Jahren verbreitete sich die Tradition der Martinsumzüge nach rheinischem Vorbild in ganz Deutschland.


Gefeiert wird Martin von Tours, geboren um 316 in Pannonien, dem heutigen Ungarn, römischer Reitersoldat und später Bischof von Tours, aufgrund seiner vorbildhaften Mantelteilung mit einem Bettler als Akt der Nächstenliebe. Der Legende nach erschien dem jugendlichen Martin nach seiner Begegnung mit dem Bettler Jesus Christus in der Gestalt des Bettlers, woraufhin Martin sich taufen lies, seinen Soldatendienst aufgab und sich in die Lehre des berühmten Kirchenlehrers Hilarius begab. Als späterer Bischof war er für seinen asketischen Lebensstil bekannt. Seit dem Jahr 480 ist der 11. November der Gedenktag und Namenstag des hl. Martin.

Im Mittelalter war dies übrigens auch der letzte Tag vor dem vierzigtägigen Adventsfasten, das noch bis ins 20. Jahrhundert in katholischen Gegenden üblich war. Knechte und Mägde erhielten ihren Jahreslohn und gingen über den Winter zu ihren Familien, Pachten wurden bezahlt und neu ausgehandelt. Die Ernte bescherte ein reichhaltiges Essen. Der Martinsabend wurde ausgiebig gefeiert, bevor die entbehrungsreiche Zeit des Adventsfastens begann. Es wurde um ein Feuer getanzt, reichlich gegessen und getrunken, vergleichbar mit der heutigen „Fastnacht“, die die Fastenzeit vor Ostern einläutet.


Das Martinssingen (auf bönnsch „Schnörzen“), bei dem Kinder von Tür zu Tür gehen und für ihren Vortrag Süßigkeiten bekommen, ist nur in bestimmten Gegenden, wie z.B. im Rheinland, verbreitet:

D’r hellije Zinter Mätes (Lied)

D’r hellije Zinter Mätes, dat wor ne jode Mann,
dä jof de Kinder Kääzcher un stoch se selver an.
Butz, butz wieder butz, dat wor ne jode Mann.

Hier wohnt ein reicher Mann, der uns was geben kann.
Viel soll er geben, lange soll er leben,
selig soll er sterben, das Himmelreich erwerben.
Lass uns nicht so lange, lange steh’n, denn wir müssen weiter geh’n, weitergeh’n.

D’r hellije Zinter Mätes, dä kütt och hück zo uns,
dröm jo’mer met de Fackele, et freut sich Klein un Jruss.
D’r hellije Zinter Mätes, dä rick lans jede Döör,
un sähnt de Huus un Hätze, de Frösch in Schobb un Schöör.
D’r hellije Zinter Mätes kütt immer huh ze Pääd,
hä steiht en huhe Ihre em Himmel un op Äd.

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