KARNEVAL

Ursprung, Bedeutung und Brauchtum des Bonner Karnevals

Am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt für den „Jecken“ die Fünfte Jahreszeit – der Karneval.

Doch woher kommt eigentlich die Tradition des Rheinischen Karnevals? Was hat es damit auf sich und wieso rufen wir in Bonn, Köln und vielen weiteren Regionen:

ALAAF

Der Karneval wird in der Zeit vor der Fastenzeit gefeiert und anderer Orts auch Fastnacht oder Fasching genannt. Die „Fünfte Jahreszeit“ beginnt traditionell am 11.11. um 11 Uhr 11 und wird in der Weihnachtszeit vom 1. Advent bis zum 6. Januar unterbrochen, bevor sie ab Anfang Januar Fahrt aufnimmt und an Aschermittwoch endet.

Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor rund 5.000 Jahren in Mesopotamien gefeiert. Herrscher und Arbeiter standen gemäß dem Gleichheitsprinzip für kurze Zeit auf einer Stufe. Auch im Mittelalter feierte man um den 6. Januar Narrenfeste.

Das Wort Fastelovend ist zum ersten Mal im sogenannten Eidbuch der Stadt Köln aus dem Jahr 1341 dokumentiert.

Seit etwa 800 Jahren wird im Rheinland Karneval gefeiert. Die erste schriftliche Erwähnung des Bonner Karnevals ist eine Polizeiverordnung aus dem Jahr 1585, in welcher der Kölner Kurfürst Ernst von Bayern die Abschaffung der sogenannten „Bonner Fastnachtgesellschaft“ verfügt. Einen ersten Vorläufer des Bonner Rosenmontagszuges gab es bereits im Jahr 1731, als zur Fastnachtfeier zahlreiche Adlige nach Bonn – Bonn war Ende des 17. Jahrhunderts zur Residenzstadt der Kölner Kurfürsten aufgestiegen – an den Hof des Kurfürsten Clemens August von Bayern kamen. Die Begeisterung des Kurfürsten für Bälle, Maskeraden und die Anteilnahme am rheinischen Karneval war bekannt.

Anders als in Köln, regiert in Bonn kein Dreigestirn die Bonner Jecken. Der Brauch, dass in jeder Session Symbolfiguren den Bonner Karneval repräsentieren, begann 1828 mit „Hanswurst“ und der Göttin Laetitia, die im ersten Bonner Rosenmontagszug gehuldigt wurden. Nach einigen Jahres des Verbots, Karneval in der Universitätsstadt Bonn durchzuführen, fand der zweite Bonner Rosenmontagszug im Jahr 1843 statt. 1845 trat dann zum ersten Mal die Bonna anstelle der „Laetitia“ in Erscheinung. Im Jahre 1873 wurde „Hanswurst“ dann zum Prinz Karneval.

Die Figur der „Bonna“ wurde zunächst ausschließlich von Männern dargestellt. Ab dem Jahr 1935 führte der damalige Bonner Dachverband „Vaterstädtischer Verein“ die Ernennung weiblicher „Bonnas“ ein.

Kirche und Karneval sind im Rheinland eng miteinander verbunden. So werden in der närrischen Zeit Gottesdienste in kölscher Mundart gefeiert. Den Glauben auf Kölsch zu feiern, den Heimatdialekt zu pflegen, Traditionen und Brauchtum weiterzugeben – für all das stehen die vielen Vereine im Karneval.

Die Traditionscorps und Vereine sind es auch, die in der Zeit des „Sitzungskarnevals“ von 6. Januar bis Weiberfastnacht „Karnevalssitzungen“ mit Büttenreden, Tanz & Musik veranstalten.

Mit „Weiberfastnacht“ am Donnerstag vor Rosenmontag beginnt der Straßenkarneval. Der Brauch der Wäscherinnen, am Donnerstag vor Karneval keine Wäsche zu waschen, sondern die Männer „in die Mangel zu nehmen“, entstand vor mehr als 180 Jahre in Bonn-Beuel. Sie wollten damit auf die unzumutbaren körperlichen und seelischen Belastungen aufmerksam machen. Seit 1958 benennen die Beueler Weiber jedes Jahr eine „Wäscherprinzessin“. Diese zieht am Karnevalsdonnerstag zum Sturm auf das rechtsrheinische Beueler Rathaus und bezwingt die Männer, die dieses versuchen zu verteidigen.

Am Karnevalssonntag erleben die Jecken im Kölner Dom ein Highlight des Karnevals. Beim Bau der Orgel 1998 wurde eine kölsche Besonderheit in diese eingebaut: Dann wird ein besonderes Register der Schwalbennest-Orgel mit dem Namen „Loss Jon“ gezogen,  wie automatisch wird der Karnevals-Klassiker „Mer losse dr Dom in Kölle“ gespielt und unter der Orgel kommt ein Jeck hinter einer Klappe zum Vorschein.

In Bonn versucht der/die Oberbürgermeister/in jedes Jahr am Karnevalssonntag das Rathaus gegen die Übermacht an Karnevalisten zu verteidigen – jedoch erfolglos! Denn da findet der Sturm auf das „Alte Rathaus, sowie ein Biwak – zur Verpflegung der Stürmenden und Feiernden – auf dem Marktplatz statt.

Der Rosenmontag bildet mit seinen zahlreichen Rosenmontagsumzügen traditionell den Höhepunkt des jecken Treibens im Straßenkarneval. Der Montag nach dem 4. Fastensonntag heißt seit dem 11. Jahrhundert auch Rosensonntag. Der Name kommt daher, dass der Papst an diesem Tag verdienten Persönlichkeiten, Städten oder Staaten eine goldene Rose verleiht. Heutzutage nur noch an Wallfahrtsorte.

Mit der Nubbelverbrennung am Abend des Veilchendienstag kommt der Karneval in jedem Jahr zu seinem Abschluss. Der Nubbel ist eine lebensgroße Strohpuppe und der Sündenbock im rheinischen Karneval. Er wird symbolisch zum Beispiel dafür verurteilt, dass die Feiernden ihr ganzes Geld „versoffen“ haben. Mit dem Nubbel werden gleichzeitig auch alle Sünden und Verfehlungen verbrannt. Damit endet symbolisch der Karneval.


Alaaf! Was hat es damit auf sich?
Der Kölner Karnevalsruf „
Alaaf“ kommt vom Begriff „all-ab“ und bedeutet „alles zur Seite“. „Kölle alaaf“ heißt also: „Achtung Köln, Platz da, die Jecken kommen!“

Schon gewusst?
„Karneval“ heißt übersetzt „Fleisch – lebe wohl“. So heißt es zumindest in der heute geläufigsten Erklärung zur Herkunft des Begriffes. So wird aus dem lateinischen „carne vale“ („Fleisch – lebe wohl“) Bezug auf die Fastenzeit als fleischlose Zeit genommen. Doch die Wortgeschichte des „Karneval“ bleibt weitestgehend unklar.

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